Werde Mitglied bei Digitalcourage e.V.

und fühl Dich super

Ich bin seit Jahren Mitglied bei Digitalcourage e.V. und soeben erreicht mich eine E-Mail, dass sie gerne eine/n Jurist/in in Teilzeit anstellen würden. Ich zitiere mal aus der E-Mail:

Kompetenten juristischen Rat gibt es nicht immer umsonst. Wir brauchen zusätzliches Geld, um eine Juristin oder einen Juristen in Teilzeit mit ins Team zu holen oder auch, um häufiger Anwältinnen und Anwälte zu engagieren, die komplexe Gesetzesvorhaben analysieren, Gutachten schreiben und uns vor Gericht vertreten, um unser aller Grundrechte durchzusetzen.

Zur Zeit haben wir zwei Verfassungsbeschwerden in Karlsruhe laufen. Doch auch in anderen Bereichen lassen wir nicht locker: Wir wollen die Verschärfung der Polizeigesetze in verschiedenen Bundesländern auf Verfassungsmäßigkeit prüfen. Wir wollen herausfinden, wie nützlich das Wettbewerbsrecht ist, um die Übermacht der großen Plattformen und IT-Konzerne zu beschränken. Und wir wollen Datenschutz und Verbraucherrechte gegen datensammelnde Tools, rücksichtslose „Digitalisierung first“-Startups und unsolidarische Versicherungen durchsetzen.

Ich denke das spricht soweit für sich. Ich bin da gerne und aus Überzeugung Mitglied. Und wer es mir gleich tun möchte, kann hier Mitglied werden.

Irgendwas muss ja seinen Enkeln sagen können, wenn die in zwanzig Jahren mit den ganzen unangenehmen Fragen kommen.

Wie dekadent wollen wir sein?

Wer's braucht...

Ich war heute in der Stadt, um ein paar erste Einkäufe für Weihnachten zu erledigen. Im Kaufhof hätte ich heute – und nur heute – ein echtes Schnäppchen machen können: Den Millenium Falcon von LEGO als Sammlerausgabe mit 7.500 Teilen für günstige 649,00 € (statt 799,00 €).

SECHSHUNDERTNEUNDUNVIERZIG EURO FÜR EIN LEGO SPIELZEUG !!!!

Ja, ich bin auch ein Star Wars Fan. Ja, ich finde das auch sehr schön. Und ja, ich kann verstehen, dass es Sammler gibt, die so etwas unbedingt haben müssen.

Aber muss Kaufhof das dermaßen aggressiv allen Mitmenschen unter die Nase reiben? Nicht nur, dass im Kaufhof schon direkt am Eingang damit geworben wird. Das könnte ich zur Not noch verstehen. Nein, das begegnet mir auf diversen Plakaten in der Innenstadt, in der U-Bahn auf den Videoleinwänden alle 10 Minuten und auf den großen elektronischen Displays entlang der Inneren Kanalstrasse dann auch noch mal.

Bei mir kommt da diese Botschaft an:

„Seht her liebe Leute, wir haben hier etwas, was ein verschwindend geringer Anteil der Bevölkerung gut findet und ein noch geringerer Anteil sich überhaupt leisten kann. Uns ist völlig egal, dass dieses Spielzeug mehr kostet, als die meisten Haushalte für ihre Waschmaschine ausgeben würden, oder etwas anderes, was dringend benötigt wird. Wir finden es eine gute Idee, euch allen zu zeigen, was sich die obere Mittelschicht (also so Menschen wie Merz) zu Weihnachten leisten könnte. Weil die kein Problem damit haben, Geld einfach nur so zum Spaß auszugeben.“

Und um das nochmal deutlich zu machen: Wer das Geld hat und sich das kaufen will, kann das gerne tun. Das finde ich nicht schlimm. Es muss ja jede/r selber entscheiden, wie er oder sie durchs Leben gehen will. Aber dass die Entscheider beim Kaufhof keinerlei Problem damit haben, mit so etwas zu werben, das finde ich einfach nur noch komplett abgehoben und dekadent.

Die banale Schnöseligkeit der Dinge

Kannste Dir nicht ausdenken

Neulich war der digital Native beim Rewe einkaufen. Ja, tatsächlich, auch wenn gerade alle in seiner gentrifizierten Nachbarschaft komplett ausrasten, dass endlich der neue Aldi aufgemacht hat. Die Aufregung kann der digital Native sogar verstehen. Wenn die Wohnung inzwischen so teuer geworden sind, dass man sie nur als DINKS bezahlen kann (Double Inocome, No Kids) muss man eben beim Essen sparen.

Zum Glück wohnt der digital Native ja noch in einer der letzten Normal-Mietpreis-Häuser im Viertel. Daher kann er es sich auch leisten zum Rewe zu gehen.

An der Kasse erlebte er dann, wie eine junge Dame, leicht aufgeregt, aber durchaus freundlich nachfragte, ob sie ihr Döschen Oregano und das Döschen schwarzer Pfeffer (gemahlen) zurückgeben dürfe. Sie habe das gestern gekauft, aber ihr Mann habe just genau das gleiche gekauft. Einen Bon habe sie leider nicht, den habe sie direkt weggeworfen.

Das kennt der digital Native, er lässt sich schon gar keinen Bon mehr geben und seine Frau kaft auch manchmal Sachen ein, die seit Wochen im Haushalt fehlen, wie z.B. Notizzettel. Die vergisst der digital Native immer neu zu kaufen, wenn sie alle sind, weil er nie den letzten Zettel benutzt, um sich das aufzuschreiben. Und Evernote oder ähnliches benutzt er nicht, wegen dem Datenschutz und so. Und daher kann so ein Kauf von neuen Notizzetteln sich schon ein mal ein paar Wochen hinziehen. Zum Glück werden die ja nicht schlecht, wenn dann aus unerfindlichen Gründen sowohl er als auch seine Frau am gleichen Tag daran gedacht haben, Neue zu kaufen und die dann doppelt vorhanden sind.

Wie dem auch sei, die Dame hatte Erfolg mit dem Umtausch ihrer zwei Gewürzdöschen. Sie musste zwar ein wenig auf die Geschäftsleitung warten, weil die Kassiererin das nicht alleine einfach ohne Bon umtauschen darf. Aber dann hat es geklappt. Das nenn ich mal Kulanz. Die sind aber auch sonst immer sehr nett da im Rewe, deshalb geht der digital Native da auch immer lieber hin als zum Aldi.

Zu Hause hat er dann aber doch mal aus reiner Neugierde nachgeschaut, bis wann sich eigentlich so ein Döschen Oregano hält. Seines hatte als MHD (Mindeshaltbarkeitsdatum) den 21. April 2021.

Da hat er dann doch gestaunt, dass die junge Dame so dringend den doppelten Oregano und den schwarzen Pfeffer umtauschen musste. Ihm fielen mehrere Gründe ein: Vielleicht kochen die beiden einfach so selten selbst zu Hause, dass ein Döschen locker bis 2025 reichen würde, wenn es nicht vorher schlecht geworden wäre, wegen dem MHD und so. Oder der Mann ist ein solcher Despot, dass er seine Frau gezwungen hat, das umzutauschen um ein Exempel zu statuieren. Oder die Wohnung der beiden ist so dermaßen gentrifiziert, dass sie am Ende des Monats extrem auf ihr Haushaltsbudget achten mussten. Vielleicht hat ihnen eine App gemeldet, dass die Gewürze doppelt sind und ein Umtausch das Minus am Ende des Monats knapp verhindern könnte.

Vielleicht waren das aber auch Minimalisten, die sich mit so wenig mit möglich in ihrer Wohnung belasten wollen. Da hauen einen doppelte Gewürze schon mal ganz schön aus dem Konzept.

Schade, dass der digital Native dann vor der Dame den Rewe verlassen musste. Im Nachhinein hätte er gerne gewusst, ob das Geld vom Umtausch direkt einer neuen Verwendung zugeflossen ist (z.B. beim Bäcker, oder der Obdachlosen vor dem Rewe) oder das vielleicht eine Notiz in einer App oder eine SMS an den Mann wert gewesen war.

Aber so wird das wohl eins der vielen ungelösten Rätsel seines Lebens bleiben.

Mein Dank an Frau Reker

für Ihren offenen Brief an Frau Merkel

Wie Sascha Lobo neulich so richtig bemerkt hat: die Mehrheit schweigt zu oft. Ich glaube alleridngs nicht, dass Diskussionen in den sozialen Medien zu irgend etwas führen. Auch glaube ich nicht, dass eine Stimme der Vernunft zwischen hunderten von AfD-Trollen verfassten Kommentaren irgend einen Effekt hat. Aber ich glaube, wir sollten den Leuten den Rücken […]

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Liebe Veranstalter,

und liebe Bands / Musiker,

es mag ja ganz toll sein, was ihr euch alles auf die Fahnen schreibt, sei es nun Independent, D.I.Y, Punk, Hardcore, Gleichberechtigung, Nazis Raus, Vegan oder was auch immer. Und wenn ich mir Mühe gebe, kann ich auch verstehen, warum ihr nicht auf Facebook verzichten wollt. Aber wenn ihr noch nicht mal mehr eine Webseite […]

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Männer die auf Zettel starren

Kannste Dir nicht ausdenken, musste erleben

Die Überschrift ist nicht von mir, sondern der Titel eines sehr lesenswerten Blogartikels von Volker Giesek. Er beschreibt darin überaus treffend und pointiert ein Phänomen, über das ich auch schon längst mal was geschrieben haben wollte, es mir aber jetzt glücklicherweise sparen kann, denn seinen Ausführungen ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Worum es geht? Nun, […]

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Meine Freunde im DSGVO – Wahn

Bitte nicht unreflektiert einfach alles nachmachen

Bei der DSGVO habe ich ja mit vielem gerechnet. Nur nicht damit, dass ich nun von Unmengen an E-Mails von Freunden, Vereinen und sonstigen Bekannten bekomme. Also von Leuten, die mir hin und wieder Newsletter schicken. Weil ich sie irgendwann einmal darum gebeten habe, oder mich eingetragen habe. Nun schicken mir alle einen Hinweis auf […]

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Bedarf an kompletter Kinderüberwachung?

Track me baby one more time

Ich bin ja seit längerem Mitglied bei Digitalourage e.V. Vor einiger Zeit haben sie auf ihrer Seite über das Projekt „Schutzranzen“ kritisch berichtet. Dabei bekommen Kinder in ihren Schulranzen einen GPS-Tracker. Natürlich nur zum Schutz der Kinder. Ich finde das sowas von Gaga und höchst bedenklich, dass ich mich sehr über die Aktionen von Digitalcourage […]

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Kuriositäten der Selbstvermarktung

Hauptsache Gästelist

Im Januar hat meine Band Die Leere im Kern Deiner Hoffnung ihr drittes Album „Das Leben ist komplex und entropie real“ wie gehabt auf unserem Netlabel veröffentlicht. Und da wir alles selber machen, habe ich im Anschluss dann versucht die Aufmerksamkeit des ein oder anderen Blogs für uns zu gewinnen, verbunden mit einer Einladung zu […]

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