Mein Dank an Frau Reker

für Ihren offenen Brief an Frau Merkel

Wie Sascha Lobo neulich so richtig bemerkt hat: die Mehrheit schweigt zu oft. Ich glaube alleridngs nicht, dass Diskussionen in den sozialen Medien zu irgend etwas führen. Auch glaube ich nicht, dass eine Stimme der Vernunft zwischen hunderten von AfD-Trollen verfassten Kommentaren irgend einen Effekt hat. Aber ich glaube, wir sollten den Leuten den Rücken stärken, die sich an vorderster Front mit all dem Hass rumschlagen müssen. Das bedeutet also, sich nicht auf Diskussionen einlassen, sondern einfach viel öfter kundtun, wenn einem etwas gefällt.

Nun habe ich das in die Tat umgesetzt und unserer Oberbürgermeisterin Henriette Reker folgenden Brief geschickt:

Sehr geehrte Frau Reker,

in der Presse habe ich von ihrem offenen Brief an Frau Merkel zusammen
mit Thomas Geisel und Ashok Sridharan gelesen. Das hat mich zutiefst
bewegt. Ich bin gerade sehr stolz darauf, in einer Stadt zu leben, in
der Toleranz und Menschlichkeit offensichtlich nicht nur Worte sind,
sondern auch von unserer Oberbürgermeisterin von anderen Politikern
eingefordert werden.

Ich möchte Ihnen ganz herzlich für dieses Signal danken. Ich kann mir
vorstellen, dass Sie da eine Menge Widerspruch in den sozialen Medien
bekommen haben. Dem möchte ich entgegen halten, dass in meinem
Bekanntenkreis ausnahmslos jede/r von Ihrem Brief beeindruckt ist.

Ich hoffe, dass Sie weiterhin für einen menschenwürdigen Umgang mit
Flüchtlingen eintreten und sich von dem ganzen Hass im Netz nicht
unterkriegen lassen.

Wer jetzt nicht weiß worum es geht, einfach mal nach „offener Brief Reker Merkel“ suchen. Und wer mag auch ruhig die Kommentare unter den entsprechenden Artikeln, die ihr da findet lesen. Irgendwie ist es ja inzwischen auch fast schon tragisch, wie da ein Troll nach dem anderen komplett vorhersehbar seinen Hass ins Netz kippt. Und zum Teil sind sie damit dann ganz alleine unter sich. Vielleicht ist das ja doch die beste Strategie, die einfach sich selbst zu überlassen und den Autoren dann per E-Mail den Rücken zu stärken.

Liebe Veranstalter,

und liebe Bands / Musiker,

es mag ja ganz toll sein, was ihr euch alles auf die Fahnen schreibt, sei es nun Independent, D.I.Y, Punk, Hardcore, Gleichberechtigung, Nazis Raus, Vegan oder was auch immer.

Und wenn ich mir Mühe gebe, kann ich auch verstehen, warum ihr nicht auf Facebook verzichten wollt.

Aber wenn ihr noch nicht mal mehr eine Webseite für euer Festival habt, oder auf der Webseite eures Clubs keine E-Mail Adresse angegeben ist, und ihr tatsächlich meint, sämtliche Kommunikation nur noch über Facebook abwickeln zu müssen, dann habt ihr etwas ganz Grundlegendes nicht verstanden.

Dann sind all eure Beteuerungen nur Lippenbekenntnisse, eure Ideale nur hohle Phrasen und ihr selbst nichts weiter als gedankenlose Opportunisten.

Spätestens seit Cambridge Analytica wissen wir, was Facebook mit den Daten seiner Nutzer macht und was Mark Zuckerberg von seinen Nutzern hält. Wer das immer noch nicht mitbekommen hat, ist ein kleines Kind, das sich die Ohren zu hält und schreit „Ich hör Dir gar nicht zu! Ich hör Dir gar nicht zu!“

Wenn ihr euch nur ein ganz klein wenig Mühe geben würdet, könntet ihr erkennen, dass ein Leben ohne eigene Facebook-Seite möglich ist. Eine eigene Webseite hat nicht nur wesentlich mehr Charme, darüber hinaus erreicht sie auch all die Menschen, die nicht (mehr) bei Facebook sind.

Übrigens sind es vermehrt junge Menschen, die Facebook nicht mehr nutzen, sprich eure Zielgruppe.

Auslöser für diese Tirade ist übrigens folgende Begebenheit: In den späten 80ern war ich das erste Mal auf einem Konzert in einem links-alternativen Club in einem besetzten Haus. Ich nenne keinen Namen und sag auch nicht in welcher Stadt. Dort habe ich völlig naiv eine Cola bestellt. Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre hochkant raus geflogen. Ein Mensch an der Theke hatte aber offensichtlich Mitleid und hat mir dann ausführlich erklärt, warum sie keine „Imperialisten Brause“ verkaufen.

Gestern dann hatte ich die Idee, dort mal nach einem Konzert für meine Band „die Leere im Kern Deiner Hoffnung“ nachzufragen. Erster Schritt war die Suche nach einem Kontakt auf einer Webseite.

Ergebnis siehe oben.

Update 8.7.18:
Wer immer noch nicht verstanden hat, was das Problem mit Facebook ist, dem sei hier ein Artikel von Cory Doctorow empfohlen. Ist was länger und auf englisch. Aber lohnt sich.

Männer die auf Zettel starren

Kannste Dir nicht ausdenken, musste erleben

Die Überschrift ist nicht von mir, sondern der Titel eines sehr lesenswerten Blogartikels von Volker Giesek. Er beschreibt darin überaus treffend und pointiert ein Phänomen, über das ich auch schon längst mal was geschrieben haben wollte, es mir aber jetzt glücklicherweise sparen kann, denn seinen Ausführungen ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Worum es geht? Nun, wie der Titel schon sagt, um Männer die auf Zettel starren. Zettel mit Noten drauf, um genau zu sein. Warum die da wie hypnotisiert darauf starren? Das wird wohl eins der ungelösten Rätsel der Menschheit bleiben, auch wenn Volker Giesek sich alle Mühe gibt, dem Phänomen auf die Schliche zu kommen. Aber lest selbst. Und wenn es geht, nehmt was daraus mit.

Und wo ihr schon dabei seid, könnt ihr ja auch noch die anderen Artikel in seinem Blog around Sound lesen.

Oder ihn einfach gleich im Feedreader eurer Wahl abonnieren:
https://www.blogaroundsound.de/?feed=rss2

P.S.
Meine achtjährige Tochter hat seit ein paar Wochen Schlagzeug Unterricht. Letzte Woche fragte ich den Lehrer, wann er denn in die Notation einführen würde. „Das hat noch Zeit“, antwortete er, „Musik ist hören, nicht lesen.“

Ich würde mal sagen, da haben wir großes Glück mit ihm als Lehrer gehabt.

Meine Freunde im DSGVO – Wahn

Bitte nicht unreflektiert einfach alles nachmachen

Bei der DSGVO habe ich ja mit vielem gerechnet. Nur nicht damit, dass ich nun von Unmengen an E-Mails von Freunden, Vereinen und sonstigen Bekannten bekomme. Also von Leuten, die mir hin und wieder Newsletter schicken. Weil ich sie irgendwann einmal darum gebeten habe, oder mich eingetragen habe. Nun schicken mir alle einen Hinweis auf […]

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Bedarf an kompletter Kinderüberwachung?

Track me baby one more time

Ich bin ja seit längerem Mitglied bei Digitalourage e.V. Vor einiger Zeit haben sie auf ihrer Seite über das Projekt „Schutzranzen“ kritisch berichtet. Dabei bekommen Kinder in ihren Schulranzen einen GPS-Tracker. Natürlich nur zum Schutz der Kinder. Ich finde das sowas von Gaga und höchst bedenklich, dass ich mich sehr über die Aktionen von Digitalcourage […]

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Kuriositäten der Selbstvermarktung

Hauptsache Gästelist

Im Januar hat meine Band Die Leere im Kern Deiner Hoffnung ihr drittes Album „Das Leben ist komplex und entropie real“ wie gehabt auf unserem Netlabel veröffentlicht. Und da wir alles selber machen, habe ich im Anschluss dann versucht die Aufmerksamkeit des ein oder anderen Blogs für uns zu gewinnen, verbunden mit einer Einladung zu […]

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Bei der Schule meiner Tochter ist an einer Wand ein Graffiti mit „Amok 13.04.“ entdeckt worden. Wahrscheinlich ein Versuch, um die Abi-Klausur morgen herum zu kommen. Die Schulleitung hat nun allen Kinder frei gestellt, ob sie morgen zur Schule gehen. Als mich die Mail erreicht hat, war mein erster Impuls zu antworten: „Ich schlage vor, […]

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Facebook wurde nicht gehackt

und es gab auch kein Datenleck

Bei den aktuellen Enthüllungen rund um den Cambridge Analytica / Facebook Skandal ist es ganz wichtig eine Sache zu verstehen: Die Daten wurden Facebook NICHT gestohlen. Vielmehr waren sie frei zugänglich und das mit dem stillschweigenden Einverständnis von Facebook. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, dem empfehle ich die ausführliche Zusammenfassung von netzpolitik.org, den […]

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Gehört die CSU noch zu Deutschland?

Das wird man ja noch fragen dürfen.

Diese Frage ist durchaus ernst gemeint: Ist die CSU noch mit den Grundwerten unserer Demokratie vereinbar? Sprich: Ist das in irgendeiner Weise überhaupt noch zeitgemäß, oder sowas von rückwärtig gewandt, dass die CSU mal langsam auf die Müllhalde der Geschichte gehört? Bevor ich auf die jüngste Äußerung von Horst Seehofer zum Thema Islam komme, kurz […]

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