Achtung Sprachpolizei!

Immer wieder dieses #Gendergaga

Regelmäßig trendet #Gendergaga auf Twitter. Ich habe keine Lust mehr, immer die gleiche Diskussion zu führen. Daher hier ein paar grundsätzliche Gedanken zu dem Thema.

Gendergerechte Sprache ist eine notwendige Folge der Gleichberechtigung

Ich finde es großartig, wenn Menschen versuchen in ihrem Sprachgebrauch ein bisschen sensibler zu sein und dadurch signalisieren, dass sie Gleichberechtigung und Inklusion ernst nehmen.

Nicht nur sollten den Worten irgendwann auch Taten folgend. Vielmehr sollten den Taten auch die passenden Worte folgen. Aus gutem Grund verwenden wir heutzutage manche Begriffe nicht mehr, weil sie unserem veränderten Weltbild einfach nicht mehr entsprechen.

Gendergerechte Sprache ist gar nicht so kompliziert

Dazu gibt es viele Möglichkeiten, die ich hier auch schon alle mal benutzt habe. Ich kann einfach zwei Wörter nutzen (Leser und Leserinnen), oder das Binnen-I (LeserInnen) oder einen Gendergap, um auch alle Geschlechter zwischen Mann und Frau mit einzubeziehen; mit Sternchen (Leser*innen) oder Unterstrich (Leser_innen) oder Doppelpunkt (Leser:innen). Unsere Sprache entwickelt sich in dem Punkt gerade weiter, bis sich irgendwann ein Gebrauch durchsetzt. Also einfach mitmachen und ausprobieren.

Gendergerechte Sprache ist kein Zwang

Mit gelingt es nicht immer, hier in meinen Beiträgen gleichermaßen Frauen und Männer und alles dazwischen miteinzubeziehen. Hin und wieder vergesse ich in meinem Schwung, mit dem ich hier die Beiträge raus haue, komplett zu gendern und benutze nur das generische Maskulin. Das tut mir leid, aber ich bin auch nur ein Mensch.

Bisher habe ich aber noch keinerlei Verwarnung von einer „Political Correctness Polizei“ bekommen, dass ich doch bitte unbedingt immer auf eine gendergerechte Sprache achten soll. Die gibt es nämlich nicht. Die Menschen, die ich kenne und die darauf Wert legen, sind da im Allgemeinen bei Privatpersonen komplett entspannt.

Gendergerechte Sprache ist für Institutionen und Unternehmen eine Frage der Glaubwürdigkeit

Wer Gleichberechtigung ernst nimmt, ist als Chef*in eines Unternehmens gut beraten, dies auch im Sprachgebrauch umzusetzen. Ich kann mich nicht rühmen, einen hohen Anteil an Frauen (evtl. auch Transgender) zu beschäftigen und gleichzeitig nur von meinen „Mitarbeitern“ sprechen.

Die Kritik an gendergerechter Sprache verfängt nicht

Der Begriff „Gendergaga“ ist ein hervorragendes Indiz für das Niveau der vorgetragenen Kritik. Die gängige Argumentation lässt sich auf folgende Aussagen reduzieren: „Das haben wir noch nie so gemacht. Das kennen wir nicht. Das wollen wir nicht.“ Da wird dann z.B. von „gestörtem Lesefluss“ gesprochen, aber im Grunde „mich stört diese ganze Gleichberechtigung“ gemeint.

Gendergerechte Sprache ist ein Gewinn

Der Gebrauch von gendergerechter Sprache führt im Idealfall dazu, dass sich mehr Menschen angesprochen und miteinbezogen fühlen. Er signalisiert ein modernes Verständnis von Gleichberechtigung und setzt ein deutliches Zeichen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung.

Wer das „Gaga“ findet, entlarvt sich selbst als Gegner von Inklusion und Gleichberechtigung.

P.S.
Bei der Gelegenheit: Ich bin ein riesen Fan von Sebastian Pufpaff. In der Sendung „3nach9“ fragte ihn Moderator Giovanni di Lorenzo (wie ich finde leicht süffisant): „Sie gendern bewusst?“ Und Pufpaff so: „Absolut, ja. Ich habe keinen Sprachfehler.“ Bam! Einfach mal so rausgehauen. Großartig. Kann man sich merken.

Hier anschauen: https://youtu.be/r-RF7CowmkI?t=604

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