The Show must go on

Musikerhandbuch: Equipment Backups

Equipment geht irgendwann kaputt. Das ist ärgerlich, aber nichts was eine Reparatur in den meisten Fällen nicht richten könnte. Blöderweise hat Musiker-Equipment die Angewohnheit immer dann kaputt zu gehen, wenn ihr es am meisten braucht. Sei es während des Soundchecks (nicht so schlimm) oder mitten im besten Auftritt eures Lebens (Katastrophe). Wohl dem, der sich im Vorfeld darüber Gedanken gemacht hat und kalt lächelnd zu Plan B übergeht. Oder Plan C. Oder Plan D. Dabei ist es relativ egal wie konkret die Rettungspläne aussehen. Wichtig ist nur, dass ihr euch im Vorfeld Gedanken über ein Worst-Case-Szenario gemacht habt und nicht in Panik geratet, wenn es dann eintritt. Denn Hektik führt im Eifer des Gefechts meist nur zur Verschlimmbesserung und zerstört oft Dinge vollends, die mit ein wenig Überlegung vielleicht noch hätten gerettet werden können – wie z.B. Festplatten. Das bedeutet nun aber nicht, dass ihr alles doppelt und dreifach dabei haben müsst, nur um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein. Das könnt ihr machen, wenn ihr vor mehreren tausend Leuten spielt und eine Hilfslösung unter keine Umständen in Frage kommt. In den meisten Fällen ist ein Plan B (oder C oder D) ausreichend um das Konzert irgendwie über die Bühne zu bringen. Und oft dient so etwas ja dann auch der Legendbildung.

Wenn ihr eure Notfallpläne macht, könnt ihr euer Equipment grob in drei Kategorien unterteilen:

1. Verbrauchsmaterial – geht hin und wieder kaputt, ist aber einfach zu ersetzen.

2. Add Ons – wichtig für Euch, geht zur Not aber auch ohne

3. Herzstücke – überlebenswichtig und nicht leicht zu ersetzen

Für jede dieser drei Kategorien gibt es dann unterschiedliche Notfallpläne.

1. Verbrauchsmaterial

Hierfür solltet ihr immer Ersatz dabei haben. Also nicht nur exakt abgezählt das einpacken, was ihr wirklich braucht, sondern immer auch mindestens ein Ersatzteil. Das können sein: Saiten, Plektren, Klinkenkabel, Midikabel, Batterien, Drumsticks, aber auch Computerkabel (USB, Firewire) oder ein Ersatz-Netzteil. Das Ersatz-Netzteil sollte auf keinen Fall fehlen wenn ihr mit Computern oder Synthesizern auf der Bühne steht. Oft sind es nämlich nur die Netzteile, die kaputt gehen. Universal Computer Netzteile sind leider etwas teurer, aber immer noch besser als zu hoffen, dass der Akku auch wirklich noch eine Stunde live durchhält. Für Verstärker solltet ihr die passenden Sicherungen dabei haben. Auch die brennen mal durch. Meist nicht ohne Grund, aber manchmal könnt ihr so den Auftritt doch noch irgendwie nach Hause bringen. Und wenn ihr die Röhren in Eurem Amp irgendwann mal gegen neue austauscht, dann behaltet die alten Röhren als Backup. Gleiches gilt für Schlagzeuger: wenn ihr euch bessere Felle für euer Schlagzeug leistet, dann behaltet die alten Felle als Ersatz.

2. Add Ons

Das sind Dinge, die für Euren persönlichen Sound wichtig sind, auf die ihr aber verzichten könnt ohne das Konzert abzubrechen. Also Effektpedale, ein spezielles Instrument für das eine spezielle Lied, Synthesizer die vom Laptop angesteuert werden. Macht Euch mit dem Gedanken vertraut, ein Konzert ohne diese Sachen zu spielen. Wenn Euer Distortion Pedal kaputt geht, dann könnt ihr vielleicht mit dem Overdrive des Verstärkers auskommen. Falls Eurer Ukulele zerbrochen wurde, dann könnt ihr die Parts vielleicht auf der Gitarre spielen und das Ukulele-Solo einfach weg lassen. Falls Euer kleiner Synthie für die fiesen Acid-Loops den Geist aufgibt, dann habt ihr die Parts hoffentlich in Eurem Laptop gesampelt und spielt sie von dort ab. Falls Eure Soundkarte abraucht, dann müssen eben die Kopfhörerausgänge des Laptops reichen. Falls der Midicontroller kaputt geht, dann könnt ihr hoffentlich nur mit der Computertatstatur das Set bedienen.

Ganz egal was passiert und worauf ihr verzichten müsst. Macht Euch im Vorfeld darüber Gedanken, mit welchem minimalem Equipment ihr zur Not Euren Auftritt noch über die Bühne bringen könnt. Das klingt dann zwar alles nicht mehr so, wie ihr das ursprünglich gedacht habt. Das ist aber egal, so lange es nur irgendwie weiter geht.

3. Herzstücke

Wenn ein Instrument zerstört wurde oder der Computer einfach keinen Mucks mehr von sich gibt, dann ist Schluss mit lustig. Das wird hoffentlich nie passieren. Aber so unwahrscheinlich das auch sein mag, auch hierfür solltet ihr euch überlegen, wie ihr damit umgehen wollt. Vielleicht habt ihr ja noch ein Ersatzinstrument dabei. Oder wenn ihr nicht die einzige Band an dem Abend seid, könnt ihr euch vielleicht von einer der anderen Bands etwas ausleihen. Und verflucht bis in alle Ewigkeiten sollen all die Musiker sein, die in solchen Situationen nicht helfen. Aus Angst die Lackierung ihrer Gitarre könnte Fremdschweiß abbekommen oder so. Mögen sie für immer in der Hölle der Feierabendmusiker verrotten.

Falls ihr die einzige Band des Abends seid und ein Amp kaputt gegangen ist, könnt ihr vielleicht mit zwei Gitarren über einen Amp spielen. Oder ihr geht über eine D.I. Box direkt in die Anlage, falls es Euer Distortion noch tut. Falls das auch kaputt ist, kann vielleicht der Mixer die Eingänge am Pult übersteuern und so einen schön kranken Sound zaubern. Falls das Bassdrumfell kaputt ist, kann vielleicht die Standtom als Bassdrum herhalten. Hier ist Kreativität gefragt. Überlegt Euch einfach vorher, welche noch so abwegigen Möglichkeiten ihr habt, um die Situation irgendwie zu retten.

Mit Computern auf der Bühne ist es da schon etwas schwieriger. Habe ich schon erwähnt, dass ein Ersatznetzteil eine wirklich gute Investition ist? Wenn ihr viel auftretet oder von einem speziellen Auftritt viel abhängt, ist ein Ersatz Laptop keine so schlechte Idee. Gebraucht Laptops sind einigermaßen erschwinglich. Oder noch besser: Werft euren alten Laptop nicht weg. Benutzt ihn als Backup, auch wenn Euer neuestes Set darauf nicht laufen wird. Baut es einfach entsprechend um. Und wenn es nur 4 Stereo Spuren sind, die ihr ein bisschen ineinander mischt. Falls ihr keinen alten Laptop habt, ist die einfachste Backup Lösung ein mp3 Player auf dem euer Set als Playback vorliegt. Der sollte schnell zur Hand und eingestöpselt sein, falls einfach gar nichts mehr geht. Also nicht ganz tief unten im Koffer verstecken. Das ist das mindeste was ihr als letzten Rettungsanker, sprich Plan D, dabei haben solltet. Es sei denn, es war von vorneherein Euer Plan A und alles andere nur Attrappe. Aber das ist ein anderes Thema.

Und wenn gar nichts mehr geht?

Wenn alles nichts mehr hilft, wenn sich das gesamte Universum gegen euch verschworen hat, wenn euer Drummer explodiert ist und Zwerge euer Miniatur Stonehenge zertrampelt haben, dann ist es an der Zeit zu erkennen, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, dem Teufelsgitarristen der Vorband die eigene Gitarre zu verweigern als dieser euch angefleht hat, sie ihm doch bitte, bitte auszuleihen. Doch genug davon. Es gibt Momente im Musikerleben in denen einfach nichts mehr zu retten ist. Da nützt dann alles nichts mehr und das solltet ihr euch dann auch eingestehen. Erklärt es eurem Publikum, kündigt einen Ersatztermin an oder verflucht die Stadt und lasst euch nie wieder dort blicken. Shit happens.

Schlimm ist das nur, wenn ihr keinen Plan B hattet und bei einer gerissenen Gitarren-Saite das Konzert im Tumult abbrechen müsst, weil der Gitarrist statt Ersatzsaiten lieber die langen Blättchen eingepackt hat. Aber auch das ist eine andere Geschichte.

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