Konservative Beschränktheit hat einen Namen

War ja klar, das so was passiert

Die schönsten Momente im Karneval sind doch immer wieder diejenigen, in denen man hinter die Masken der Redner und Rednerinnen schauen kann. Wenn sie, ganz ohne es geplant zu haben, das Visier ganz weit unten haben und wir tief in sie hinein blicken können. Vor ein paar Tagen hatte ich noch über Bernd Stelter und seinen müden Witz über Doppelnamen geschrieben. Und nun schafft es Annegret Kramp-Karrenbauer noch wesentlich tiefer in den Abgrund des konservativ-peinlichen Humors hinabzusteigen.

Was ist passiert? Kramp-Karrenbauer hat beim Stockacher Narrengericht müde Witze über die verweichlichten Männer von heute gemacht und dann, ohne Not, noch einen drauf gesetzt und sich über Intersexuelle lustig gemacht. Tiefer kann man nicht sinken.

Ich hatte vor ein paar Tagen ganz vergessen, wie rückwärtsgewandt die Ansichten von Kramp-Karrenbauer zum Thema gleichgeschlechtliche Ehe sind. Ihr könnt das mit ein paar Suchanfragen gerne selbst recherchieren. Und nun bricht es also wieder aus ihr heraus und ich glaube, das ist durchaus genau abgezirkelt. Sie nutzt die Chance, um sich ultra-konservativ zu positionieren. Irgendwie muss man der AfD ja die Stimmen abgraben können. Ich glaube indes nicht, dass die Strategie aufgehen wird. Denn wir leben inzwischen in anderen Zeiten. Hier spricht eine Frau, die das nicht wahrhaben will, die sich die guten, einfachen, weil überschaubaren Zeiten zurückwünscht. Sprich: starke Männer, die im Stehen pinkeln.

Leider vergisst sie dabei, dass sie in diesen guten alten Zeiten zum einen keinen Doppelnamen hätte annehmen können, sondern brav den Namen ihres Mannes hätte tragen müssen. Und dass sie natürlich niemals Vorsitzende der CDU hätte werden können. Aber so sind die Konservativen. Sie freuen sich über die Freiheiten, die Generationen vor ihnen erstritten haben (Frauenwahlrecht anyone?) und wünschen sich gleichzeitig, dass mit dem Kampf für mehr Freiheiten nun aber auch mal gut sein muß. Bloß weil es ihnen gut geht und sie sich nicht vorstellen können, dass es immer noch Menschen gibt, denen nach wie vor Freiheiten und Anerkennung vorenthalten werden.

Aber so sind wir Menschen. Ich kenne Frauen in Führungspositionen, die sich über „Emanzen“ lustig machen. Ich kenne Spätaussiedler, die über „die Flüchtlinge“ schimpfen. Ich kenne Ostdeutsche, die sich mehr Überwachungsmaßnahmen des Staates für ihre Sicherheit wünschen. Ich kenne alleinerziehende Mütter mit Köln-Pass die sich über Hartz IV Empfänger aufregen.

Früher nannten wir solche Menschen „Radfahrer“ – nach oben buckeln, nach unten treten. Ein Sündenbock ist doch immer schon eine prima Sache gewesen. Da bin ich gerne dabei, das ist prima. Ich freue mich schon auf die Nubbelverbrennung.

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