Liebe Veranstalter,

und liebe Bands / Musiker,

es mag ja ganz toll sein, was ihr euch alles auf die Fahnen schreibt, sei es nun Independent, D.I.Y, Punk, Hardcore, Gleichberechtigung, Nazis Raus, Vegan oder was auch immer.

Und wenn ich mir Mühe gebe, kann ich auch verstehen, warum ihr nicht auf Facebook verzichten wollt.

Aber wenn ihr noch nicht mal mehr eine Webseite für euer Festival habt, oder auf der Webseite eures Clubs keine E-Mail Adresse angegeben ist, und ihr tatsächlich meint, sämtliche Kommunikation nur noch über Facebook abwickeln zu müssen, dann habt ihr etwas ganz Grundlegendes nicht verstanden.

Dann sind all eure Beteuerungen nur Lippenbekenntnisse, eure Ideale nur hohle Phrasen und ihr selbst nichts weiter als gedankenlose Opportunisten.

Spätestens seit Cambridge Analytica wissen wir, was Facebook mit den Daten seiner Nutzer macht und was Mark Zuckerberg von seinen Nutzern hält. Wer das immer noch nicht mitbekommen hat, ist ein kleines Kind, das sich die Ohren zu hält und schreit „Ich hör Dir gar nicht zu! Ich hör Dir gar nicht zu!“

Wenn ihr euch nur ein ganz klein wenig Mühe geben würdet, könntet ihr erkennen, dass ein Leben ohne eigene Facebook-Seite möglich ist. Eine eigene Webseite hat nicht nur wesentlich mehr Charme, darüber hinaus erreicht sie auch all die Menschen, die nicht (mehr) bei Facebook sind.

Übrigens sind es vermehrt junge Menschen, die Facebook nicht mehr nutzen, sprich eure Zielgruppe.

Auslöser für diese Tirade ist übrigens folgende Begebenheit: In den späten 80ern war ich das erste Mal auf einem Konzert in einem links-alternativen Club in einem besetzten Haus. Ich nenne keinen Namen und sag auch nicht in welcher Stadt. Dort habe ich völlig naiv eine Cola bestellt. Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre hochkant raus geflogen. Ein Mensch an der Theke hatte aber offensichtlich Mitleid und hat mir dann ausführlich erklärt, warum sie keine „Imperialisten Brause“ verkaufen.

Gestern dann hatte ich die Idee, dort mal nach einem Konzert für meine Band „die Leere im Kern Deiner Hoffnung“ nachzufragen. Erster Schritt war die Suche nach einem Kontakt auf einer Webseite.

Ergebnis siehe oben.

Update 8.7.18:
Wer immer noch nicht verstanden hat, was das Problem mit Facebook ist, dem sei hier ein Artikel von Cory Doctorow empfohlen. Ist was länger und auf englisch. Aber lohnt sich.

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