Die banale Schnöseligkeit der Dinge

Kannste Dir nicht ausdenken

Neulich war der digital Native beim Rewe einkaufen. Ja, tatsächlich, auch wenn gerade alle in seiner gentrifizierten Nachbarschaft komplett ausrasten, dass endlich der neue Aldi aufgemacht hat. Die Aufregung kann der digital Native sogar verstehen. Wenn die Wohnung inzwischen so teuer geworden sind, dass man sie nur als DINKS bezahlen kann (Double Inocome, No Kids) muss man eben beim Essen sparen.

Zum Glück wohnt der digital Native ja noch in einer der letzten Normal-Mietpreis-Häuser im Viertel. Daher kann er es sich auch leisten zum Rewe zu gehen.

An der Kasse erlebte er dann, wie eine junge Dame, leicht aufgeregt, aber durchaus freundlich nachfragte, ob sie ihr Döschen Oregano und das Döschen schwarzer Pfeffer (gemahlen) zurückgeben dürfe. Sie habe das gestern gekauft, aber ihr Mann habe just genau das gleiche gekauft. Einen Bon habe sie leider nicht, den habe sie direkt weggeworfen.

Das kennt der digital Native, er lässt sich schon gar keinen Bon mehr geben und seine Frau kaft auch manchmal Sachen ein, die seit Wochen im Haushalt fehlen, wie z.B. Notizzettel. Die vergisst der digital Native immer neu zu kaufen, wenn sie alle sind, weil er nie den letzten Zettel benutzt, um sich das aufzuschreiben. Und Evernote oder ähnliches benutzt er nicht, wegen dem Datenschutz und so. Und daher kann so ein Kauf von neuen Notizzetteln sich schon ein mal ein paar Wochen hinziehen. Zum Glück werden die ja nicht schlecht, wenn dann aus unerfindlichen Gründen sowohl er als auch seine Frau am gleichen Tag daran gedacht haben, Neue zu kaufen und die dann doppelt vorhanden sind.

Wie dem auch sei, die Dame hatte Erfolg mit dem Umtausch ihrer zwei Gewürzdöschen. Sie musste zwar ein wenig auf die Geschäftsleitung warten, weil die Kassiererin das nicht alleine einfach ohne Bon umtauschen darf. Aber dann hat es geklappt. Das nenn ich mal Kulanz. Die sind aber auch sonst immer sehr nett da im Rewe, deshalb geht der digital Native da auch immer lieber hin als zum Aldi.

Zu Hause hat er dann aber doch mal aus reiner Neugierde nachgeschaut, bis wann sich eigentlich so ein Döschen Oregano hält. Seines hatte als MHD (Mindeshaltbarkeitsdatum) den 21. April 2021.

Da hat er dann doch gestaunt, dass die junge Dame so dringend den doppelten Oregano und den schwarzen Pfeffer umtauschen musste. Ihm fielen mehrere Gründe ein: Vielleicht kochen die beiden einfach so selten selbst zu Hause, dass ein Döschen locker bis 2025 reichen würde, wenn es nicht vorher schlecht geworden wäre, wegen dem MHD und so. Oder der Mann ist ein solcher Despot, dass er seine Frau gezwungen hat, das umzutauschen um ein Exempel zu statuieren. Oder die Wohnung der beiden ist so dermaßen gentrifiziert, dass sie am Ende des Monats extrem auf ihr Haushaltsbudget achten mussten. Vielleicht hat ihnen eine App gemeldet, dass die Gewürze doppelt sind und ein Umtausch das Minus am Ende des Monats knapp verhindern könnte.

Vielleicht waren das aber auch Minimalisten, die sich mit so wenig mit möglich in ihrer Wohnung belasten wollen. Da hauen einen doppelte Gewürze schon mal ganz schön aus dem Konzept.

Schade, dass der digital Native dann vor der Dame den Rewe verlassen musste. Im Nachhinein hätte er gerne gewusst, ob das Geld vom Umtausch direkt einer neuen Verwendung zugeflossen ist (z.B. beim Bäcker, oder der Obdachlosen vor dem Rewe) oder das vielleicht eine Notiz in einer App oder eine SMS an den Mann wert gewesen war.

Aber so wird das wohl eins der vielen ungelösten Rätsel seines Lebens bleiben.

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