Ray Bradbury würde Waking Mars spielen

Eins der besten und schönsten Spiele für Android

(c) Tiger Style - Press Kit

Auch wenn ich sonst keine Spielerezensionen schreibe, aber dieses Action-Adventure hat einfach alle Aufmerksamkeit der Welt verdient. Waking Mars ist atmosphärisch dicht, hat einen super Soundtrack, professionelle Sprecher, tolles Gameplay (wie man auf neudeutsch so sagt) und ein wunderschönes Setting: Im Jahre 2097 werden Anzeichen von Leben auf dem Mars entdeckt. Der Spieler steuert den Forscher Liang, der laufend, kriechend und dank eines Jetpacks fliegend in ein weit verzweigtes Höhlensystem eindringt. Dort entdeckt er pflanzenähnliche Lebewesen (Zoa) die sich anscheinend in einem Ruhezustand befinden. Durch einen Erdrutsch wird er in der Höhle eingeschlossen und muss nun einen Weg nach draußen finden. Doch die Eingänge sind von seltsamen pflanzenähnlichen Membranen versperrt.

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Aber Moment, offenbar reagieren diese Membranen auf die Biomasse in dem jeweiligen Abschnitt. Ab einer gewissen Masse von Zoa öffnen sich die Membranen und geben den Weg in immer tiefere Abschnitte der Höhle frei. Und schon sind wir mittendrin und fangen an, Samen in fruchtbaren Boden zu werfen um neue Zoa wachsen zu lassen. Dabei entdecken wir neue Pflanzenwesen, ergründen den Unterschied zwischen sauren (acid) und basischen (alkaline) Untergründen, bauen gezielt aufeinander abgestimmte Ökosysteme auf und dringen immer tiefer in die Höhlen des Mars ein. Dort entdecken wir nicht nur die weit verteilten Überreste des Erkundungsroboters Octo, sondern auch ein Hinweise auf ein Ereignis, das den Planeten Mars, so wie wir ihn kennen, für immer verändern könnte. Ob zum Guten oder Schlechten, das müssen wir selbst herausfinden.

Die Dramaturgie des Spiels ist perfekt aufgebaut. Am Anfang werden wir behutsam in die Welt der Zoa eingeführt und bekommen in schön kleinen Häppchen die Grundzüge des Ökosystems beigebracht. An kritischen Stellen gibt es immer wieder Hinweise von unserem Bordcomputer A.R.T. der sich als eine Mischung aus H.A.L. und Marvin (aus Per Anhalter durch die Galaxis) benimmt. Und dann gibt es noch unsere Kollegin Amani, die oben in der Basisstation zurückgeblieben ist und zu der wir an bestimmten Stellen in der Höhle Funkkontakt aufnehmen können. Das Finale entspricht dann schließlich auf wunderschöne Weise unseren Erwartungen, die geschickt im Verlauf des Spiels immer höher gesteckt werden.

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Und das Beste zum Schluß: In diesem Spiel wird nicht mit Waffen rumgeballert, sondern mit Samen gezielt auf fruchtbares Terrain geschossen. Hier wird Leben nicht genommen sondern geschaffen. Natürlich gibt es die ein oder andere brenzlige Situation und nicht alle Lebewesen sind so harmlos wie sie vielleicht aussehen. Aber in diesem Spiel geht es um Schöpfung und nicht um Vernichtung.

Das Spiel gibt es für Android, iPhone, Windows, Mac und Linux. Ich hab’s auf meinem Android Handy gespielt und es hat mir drei phantastische Wochen beschert, wobei ich an reiner Spielzeit rund zwöf Stunden gebraucht habe.

Zwei kleine Tipps am Rande:

1. Wenn ihr der Höhle „Enrichment“ seid, dann drauf achten, dass ihr nicht alle „Phyta“ in die Fangfäden der „Larians“ jagt. Die „Phyta“ kann man nämlich nicht von Höhle zu Höhle in seinem „Samenbehälter“ (Inventory) mitnehmen.

2. Nicht unbedingt jedes „Acidic Terrain“ in „Fertile Terrain“ umwandeln. Auch nicht unbedingt alle „Acidic Cephad Zoa“ in „Alkaline Cephad Zoa“ umwandeln. Naja, oder doch?

Ansonsten viel Spaß beim Herumexperimentieren und immer schön dem Forschergeist freien Lauf lassen. Dann kriegt ihr auch bald alle Einträge in Eurem Forscherlexikon voll.

Komm, was solls – weil es so schön ist, hier noch ein Trailer:

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