Guardians of the Superhelden Mainstream Action Konsens Mist

Wo ist nur die Spannung hin, wo ist sie geblie-hie-ben?

Guardians of the Galaxy ist für mich die Enttäuschung des Jahres. Angepriesen als Kracher des Jahres, der Erinnerungen an Indiana Jones oder Star Wars wach werden lässt, ist er am Ende doch nur eine weitere Auflage des mittelmäßigen Superhelden Kinos; mit ordentlich viel Aufwand inszeniert, aber ohne jeglichen Charme oder einer eigenen Seele. Ich bin natürlich etwas verwöhnt, weil ich auf dem Fantasy Filmfest unglaublich gute, spannende und originelle Filme jenseits des Mainstreams gesehen habe und ein Film aus dem Marvel Universum das nun mal per se einfach nicht leisten kann. Nicht leisten will. Weil das Risiko etwas originelles zu wagen, sich vielleicht einmal aus dem Fenster zu lehnen und wirklich in Kauf zu nehmen dabei auch heraus zu fallen, einfach für diese Art des Blockbuster Kinos zu groß ist. So gibt es also nur Popcorn Konsens Kino mit bunten Streuseln oben drauf.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin Fan von Popcorn Kino. Ich mag Hollywood Blockbuster. Nicht nur – aber eben auch. Die Batman Trilogie von Christopher Nolan mit Christian Bale fand ich super. Mir hat auch Thor gefallen. Ja echt jetzt, weil Loki einfach ein super ambivalenter Schurke ist. Auch Riddick: Chroniken eines Kriegers fand ich super – schön dreckig und gemein. Und ich bin seit meiner Kindheit Fan von Indiana Jones und Star Wars Epsiode 4 bis 6. Episode 1 bis 2 sind natürlich Mist und Episode 3 so gerade eben erträglich.

Vielleicht liegt da ja auch der Hund begraben. Ich bin einfach mit einer komplett anderen Erzählweise sozialisiert worden als sie heute praktiziert wird. Ich bin mit Filmen groß geworden, in denen etwas mit den Personen geschieht und nicht einfach am laufenden Band was um sie herum passiert. Wo da der Unterschied ist? Ich will mal versuchen Star Wars: Epsiode 4 und Guardians of the Galaxy gegenüber zu stellen und die unterschiedliche Erzählweise herausarbeiten. Kurz vorneweg: Star Wars kann man als Heldenreise sehen, währen Guardians of the Galaxy dies genau nicht ist.

In Star Wars entscheidet sich Luke nach dem Tod seines Onkels und seiner Tante mit Obi Wan Kenobi den Planeten zu verlassen „Jetz hält mich nichts mehr hier“. In Guardians of the Galaxy wird Peter Quill nach dem Krebstod seiner Mutter einfach von einem Raumschiff entführt. In Star Wars will Luke ein Jedi Ritter werden und stets nur das Gute und Richtige tun. Was Peter Quill will, wird im gesamten Film nicht klar. Er ist zwar ein „Asshole“ aber eben kein „Dick“, was immer das uns sagen soll.

Die Motivation von Han Solo ist in Star Wars ganz klar der Profit. Er weigert sich sogar bei dem „Selbtsmord Angriff“ auf den Todesstern mitzumachen. Umso größer der Effekt, als er in letzter Sekunde Luke zur Seite steht. In Guardians of the Galaxy wollen eigentlich alle nur den Profit. Aber dann auch wieder irgendwie nicht. In gemeinsamer Runde wird das kurz besprochen und ab da sind dann alle die Retter des Universums. Was für eine Überraschung – Nicht.

In Star Wars opfert Obi Wan Kenobi sein Leben im Kampf gegen Darth Vader um seinen Freunden die Flucht zu ermöglichen. Dies geschieht nach ca. zwei Dritteln des Films vor dem letzten großen Showdown. Der Verlust trifft Luke schwer, da er seinen Mentor und Meister verliert und er nun im Kampf gegen den Todesstern auf sich allein gestellt ist. In Guardians of the Galaxy opfert sich Groot, indem er sich um seine Freunde herum zu einer Schutzkugel wachsen lässt (eine der wenigen guten Szenen). Dies geschieht während des Showdowns, nach der Zerstörung von Ronans Raumschiff. Im finalen Kampf gegen Ronan fehlt Groot nicht wirklich, da auch vier Personen vollkommen ausreichen um sich mit dem „Infinity Stone“ zu vereinen.

In klassischen Thrillern wird die Spannung nach den guten alten Regeln des Suspense aufgebaut. Zunächst wird von einer möglichen Bedrohung erzählt, dann häufen sich die Anzeichen, dass die Bedrohung näher kommt, dann endlich wird die Bedrohung sichtbar und (nun ja) bedroht die Helden. Im zeitgenössischen Superhelden Kino taucht einfach eine Bedrohung nach der Anderen auf, die dann mehr oder weniger spektakulär aus dem Weg geräumt wird. Weiter zur nächsten Bedrohung, weg damit, zur nächsten, weg damit und so weiter und so weiter.

In Star Wars hat der Todesstern zur „Demonstrationszwecken“ einen gesamten Planeten zerstört. In dessen Trümmerfeld findet sich der rasende Falke bei Austritt aus dem Hyperraum wieder. Obi Wan Kenobi spürt „eine Erschütterung der Macht“. Am Ende des Films umkreist der Todesstern langsam den Planeten um freies Schussfeld auf den Mond der Rebellen zu bekommen. Das wird in klassischer Hitchcock Manier per Countdown heruntergezählt und erhöht die Spannung. Wenn Luke nicht im letzen Anflug den Todesstern zerstören kann wird der gesamte Mond zerstört werden.

In Guardians of the Galaxy wird in einer Rückblende kurz gezeigt, dass der Infinity Stone Planeten zerstören kann. Das aber nur mal so als kleine Info am Rande, damit der Zuschauer weiß, wie gefährlich der Stein in der Hand von Ronan ist. Wir erleben das in der Handlung aber nicht direkt mit. Es ist „nur“ eine Geschichte. Beim Showdown muss nun unbedingt verhindert werden, dass Ronans Raumschiff auf dem Planeten landet, oder aufschlägt. Es wird dann durch ein Netz von Raumschiffen aufgehalten. Wie lange das Netz halten wird, erfährt der Zuschauer nicht. Es ist klar, dass es irgendwann reißt, aber an der Spannungsschraube wird nicht wirklich gedreht. Ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, Ronan aufzuhalten ist auch nicht wirklich klar. In Star Wars wissen wir, dass ein direkter Treffer in den Lüftungsschacht den Todesstern zerstören wird und fiebern auf diesen Treffer hin. In Guardians of the Galaxy wissen wir zu keinem Zeitpunkt wie die Pläne unserer Helden aussehen und können dementsprechend nicht wirklich mitfiebern. Wir sind nur Zuschauer, die ein Spektakel vorgeführt bekommen. Ohne auch nur für einen Moment emotional involviert zu sein. Das Netz bricht dann irgendwann. Schade. Die Helden überleben den Absturz. Ok. Ronan lebt doch noch. Ach. Die Helden erledigen Ronan mit Hilfe des Infinity Stones. Glück gehabt. Wer hätte das gedacht? Film zu Ende.

Objektiv und mit 36 Jahren Abstand betrachtet ist Star Wars: Episode 4 nicht mehr als ein mittelmäßiger Weltraumwestern. Oder meinetwegen auch ein mittelmäßiger Mantel und Degen – ähm – meinte natürlich Jedikutten und Laserschwerter Film im Weltraum. Er war aber immerhin noch einer klassischen Erzählweise verpflichtet. Neben dem für damalige Verhältnisse irren Schauwert gab es immerhin noch das Grundgerüst einer Geschichte, eben das der Heldenreise. Bei Guardians of the Galaxy gibt es nur noch Kirmes und Spektakel mit einer sehr Comichaften Geschichte. Ach so, ist ja auch eine Comicverfilmung. Nun gut, dann will ich nichts gesagt haben. Bin wohl doch langsam zu alt für den Scheiss. Egal. Die Batman Filme von Christopher Nolan waren trotzdem besser.

Kleiner Nachtrag (20.10.14): In der aktuellen Ausgabe des Spiegels gibt es von David Fincher ein Essay zu dem gleichen Thema mit dem Titel „Schluss mit Zerstörungspornos“. Zitat hieraus: „Luke Skywalker bekäme heute nicht mehr die Zeit, sich zu einem Helden zu entwickeln, der sich den Kräften des Bösen entgegenstellt…“. Meine Rede. Und ich freue mich diebisch, dass ich mit meinen Gedanken zum Marvel Wahnsinn einmal ein paar Tage vorher da war – auch wenn David Fincher das eloquenter als meine Wenigkeit formuliert hat.

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1 Meinung dazu

Moritz »mo.« Sauer,
20.10.2014, 10:41 Uhr

Hat Spaß gemacht zu lesen und mir die Vorfreude ein bischen verdorben, weil der Film sonst überall so gelobt wurde. Aber nicht schlimm, als Junkie brauche ich die Infusion.

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