Statt langen Direktnachrichten schreibe ich lieber eine E-Mail

Twitter soll so bleiben wie es ist

Der Sündenfall ist eingetreten. Twitter will die Begrenzung auf 140 Zeichen bei den Direktnachrichten aufheben. Ich brauche das nicht. Ich gehöre zu der Generation die mit E-Mail aufgewachsen ist, die auch heute noch E-Mails schreibt und die sich für einen längeren Austausch von Informationen auch einfach mal anruft. Das ist wesentlich schneller und effektiver, als sich Direktnachrichten hin und her zu schicken, egal ob 140, 280 oder unendlich viele Zeichen.

Ich liebe Twitter für das, was es ist. Genau so, wie es jetzt ist. Ich brauche nicht ein einziges Feature mehr. Twitter war für mich immer ein Paradebeispiel für eine Anwendung, die genau eine Sache macht, die dafür aber richtig gut. Warum erkennen Unternehmen nicht, wann ein Produkt fertig ist und nicht mehr weiter mit Features vollgestopft werden muss? Warum gibt es bei jeder Software den Moment, in dem neue Funktionen nur noch zu Verschlimmbesserungen führen?

Die Fragen kann ich mir gleich selbst beantworten: Weil die Logik des Wirtschaftswachstum das so fordert. Unternehmen können nur existieren, indem sie ihren Kunden das Gleiche immer wieder als etwas Neues und Besseres verkaufen. Ich wünsche mir so sehr eine Welt, in der es endlich Produkte gibt, die ohne jeglichen Schnickschnack einfach nur das tun, was sie sollen. Eine Anwendung für eine Aufgabe. Keine eierlegende Wollmichsau. Einen Schraubendreher, einen Hammer, eine Zange, eine Säge, einen Büchsenöffner. Kein Multitool, dass viel zu viele Features auf viel zu engem Raum vereint, so dass man sich bei der Benutzung selbst verletzt. Aber nein, die Aktionäre wollen es anders. Die wollen endlich mal Geld sehen. Ob ein echt geniales, einfaches Produkt dadurch dann ad absurdum geführt wird, ist denen völlig egal. Mir aber nicht. Ich will, dass Twitter so bleibt wie es ist. Vielleicht sollte ich mal ein paar Aktien kaufen.

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