Post von Horst, die zweite

Betreff: Wo sind die Scheibletten?

Von: Horst
An: FC Stoffel

Lieber Herr Stoffel,

was habe ich mich letztes Jahr gefreut, als mein Kühlschrank wieder aufgetaucht ist. Aber sofort die Ernüchterung: Keine Spur von den Scheibletten, die ich vor über zehn Jahren in Ihre treue Obhut gegeben habe. Nicht, dass ich irgend etwas anderes erwartet hätte, aber enttäuscht war ich trotzdem. Jetzt kommen Sie mir nicht mit fadenscheinigen Ausflüchten, von wegen Mindesthaltbarkeitsdatum oder ähnlichem neumodischen Quatsch. Zu meiner Zeit hat es sowas nicht gegeben, auch nicht so einen Unfug von wegen Bio oder so. Wir haben gegessen was da war, und das war auch gut.

Ich verlange hiermit die sofortige Wiederbeschaffung und Rückgabe meiner Scheiblette. Am liebsten persönlich, aber dazu fehlt Ihnen ja wahrscheinlich das nötige Rückgrat. Ihre Generation übt sich ja lieber im Stubenhocken. Sie nennen das jetzt nur anders, nämlich „Slacktivism“ oder so ähnlich. Wenn uns früher was nicht in den Kram gepasst hat, dann haben wir alles hingeschmissen und erst mal ordentlich gestreikt oder demonstriert. Da gab es ihn noch, den Klassenkampf. Das ist nämlich was anderes als sich auf Twitter über die Welt aufzuregen ohne jemals selbst auf die Strasse zugehen.

Aber ich will nicht zu hart mit Ihnen ins Gericht gehen. Hin und wieder kommen Sie ja auch mal vor die Tür und versuchen ein paar Menschen zu Aktion aufzurufen, auch wenn die das eigentlich gar nicht wollen. Wie war das denn auf dem DortCon, als Sie den SciFi-Fans was von Überwachung erzählt haben? Soll ich mal raten? Knapp ein Dutzend bei Ihnen und nebenan ein prallgefüllter Saal bei den „Perlen der Science Fiction Literatur“. Aber was haben Sie auch erwartet. Bequem und angenehm unterhalten geht die Welt zu Grunde.

In diesem Sinne werde ich es Ihnen auch ausnahmsweise nachsehen, wenn Sie mir die Tage die Schaibletten per Tweet oder ähnlichem zukommen lassen. Ich hoffe Sie vergessen das nicht. Oder Sie machen mal ’ne ordentliche Party und legen mir die Scheibletten in den Kühlschrank. Wollten Sie nicht eh was für Helsinki in 2017 machen? Lassen Sie sich mal was einfallen. Wenn ich das richtig gezählt habe gibt es das KunstWerk jetzt 20 Jahre, den kleinen grünen Würfel 10 Jahre und Schriftsonar steht kurz vor der 50. Folge. Und dann noch die Helsinki Geschichte. Das schreit doch förmlich nach einer Raum-Zeit-Anomalie. Oder eben einer ordentlichen Party. Also, machen Sie was draus.

In Erwartung Ihrer Einladung,
Ihr Horst

P.S.
Und davon, dass ich Ihnen jetzt zum zweiten Mal ihren faulen Ironblogger Hintern gerettet habe, reden wir dann auch nicht mehr.

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